Naturschutzrecht versus Jagdrecht: Die völker- und europarechtlichen Grenzen des jagdlichen Aneignungsrechts

Der Luchs ist ein Beispiel für einen sogenannten Doppelrechtler, der sowohl durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt ist als auch dem Jagdrecht unterliegt (Foto: Julius Kramer).
Sönke Gerhold
Naturschutzrecht versus Jagdrecht: Die völker- und europarechtlichen Grenzen des jagdlichen Aneignungsrechts
Diverse Tierarten unterliegen sowohl dem Jagdrecht des Bundes und der Länder als auch
dem strengen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG). Ob dem jagdlichen Aneignungsrecht oder dem naturschutzrechtlichen Besitzverbot der Vorrang einzuräumen ist,
hängt vom völker- und europarechtlichen Schutzstatus der jeweiligen Art ab: Ist die Art in
Anhang IV litera a) Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie oder Anhang II der Berner Konvention
genannt, ist dem BNatSchG der Vorrang einzuräumen. Ein jagdliches Aneignungsrecht
besteht dann nicht. Ist die Art demgegenüber lediglich durch die Vogelschutz-Richtlinie
geschützt, besteht keine völker- oder europarechtliche Verpflichtung, dem BNatSchG den
Vorrang einzuräumen. Die Länder können insofern ein jagdliches Aneignungsrecht vorsehen.
Eine einheitliche Regelung desselben fehlt bislang in den Bundesländern.
Summary
Conservation Law versus Hunting Law: The International and European Legal Limits of the Right to Appropriate Game
Various animal species are subject both to federal and state hunting laws as well as the strict protection of the Federal Nature Conservation Act (BNatSchG). Whether priority should be given to the right to appropriate game or the conservation law’s prohibition of possession depends on the international and European legal protection status of the respective species. If a species is listed in Annex IV (a) of the Fauna-Flora-Habitat (FFH) Directive or Annex II of the Bern Convention, the BNatSchG takes precedence, and no right to appropriate game exists. Conversely, if a species is protected solely by the Birds Directive, there is no international or European legal obligation to prioritize the BNatSchG. In such cases, the states may establish a right to appropriate game. However, a uniform regulation of this matter has not yet been implemented across the federal states.
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